Diskussion um die Sanierung der Altstadt Ost

Dies ist eine der spannendsten Diskussionen der nahen Zukunft für Biberach. Weberberg.de begleitet dieses Thema in Etappen mit eigenen und fremden Beiträgen. Sehen Sie dazu auch unsere Fotoseiten: Biberach-Ost und "Club der toten Läden" und den Plan für das Parkhaus Ost.

Dass nicht nur Biberach ein Problem mit der Innenstadt hat, belegt diese Meinung aus einem Online-Forum vom April dieses Jahres. In dem Beitrag geht es um Sigmaringen. Oder doch auch um Biberach? Urteilen Sie selbst:

Alle und Jeder beklagen sich über das Geschäftesterben in der Sigmaringer Innenstadt. Die einen schreien nach der Abschaffung der Parkgebühren. Die anderen nach einer "Belebung der Innenstadt". Fakt ist: Sigmaringen wird auch nicht durch die Einrichtung eines Wirtschaftsforums attraktiver. Die Innenstadt ist schlichtweg zu klein, um Geschäfte ansiedeln zu können, welche die Käufer und somit die Kaufkraft binden könnten, um damit vorhandene etablierte Geschäfte zu unterstützen.

Bis heute war es doch so, dass im Gemeiderat sitzende Geschäftsleute ständig der Ansiedlung von Mitbewerbern entgegenwirken konnten. Die einzig mögliche Chance Sigmaringen attraktiver zu gestalten wurde bereits vor Jahre verschenkt! Der Abriss der Stadthalle an Ihrem jetzigen Standort und damit verbunden eine Bebauung des Schneckengartens mit reinrassigen Geschäftshäusern in der Grösse, dass auch ein z.B.C&A dort optimale Bedingungen vorgefunden hätte. Heute, in unser mobilen Zeit, muss Sigmaringen lediglich die Rechnung für die Verfehlungen der letzten 2 Jahrzehnte bezahlen, und das wird sich auch nicht durch die Abschaffung der Parkgebühren in der Innenstadt ändern lassen.

 

Gähnende Leere statt klingelnder Kassen

BIBERACH - Das ehemalige Kaufhaus X ist sicherlich das Markanteste. Doch in Biberach stehen - wie in anderen Städten - viele Ladenlokale leer. Die Verkaufsflächen haben sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, Läden schossen wie Pilze aus dem Boden. Den Verbrauchern sitzt dagegen das Geld nicht mehr so locker in der Tasche wie einst. Das bedeutet nicht nur für viele Existenzgründer und kleine Einzelhändler das Aus.

Von unserer Redakteurin Gabi Ruf-Sprenger

Die ehemalige Geschäftsinhaberin (Name der Redaktion bekannt) ist untröstlich: Vor zwei Jahren gingen ihre Einnahmen immer weiter zurück, dafür wurde immer mehr Ware gestohlen und die Miete für ihr kleines Ladenlokal teurer. Am Ende, nach unzähligen schlaflosen Nächten, als die Bank nicht mehr mitspielte, musste sie ihren Laden schließen. Tränen stehen ihr in den Augen, auch heute noch, fast ein Jahr danach: "Der Laden war mein Ein und Alles. Ich hatte mir einen Traum verwirklicht und es lief ja auch lange Zeit ganz gut. Arbeitslosengeld bekomme ich keines, einen Job habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Ist auch kein Wunder - in meinem Alter. Ich lebe von der Sozialhilfe. Meine Schulden kann ich so nicht zurückbezahlen. Ich hätte viel früher schließen sollen, aber ich habe immer gehofft, dass es doch noch weiter geht." Die einst so fröhliche und freundliche Frau sitzt da und weint, macht sich Vorwürfe. In die Stadt mag sie nicht mehr gehen. Zu viele Leute kennen sie und fragen, wie es ihr geht und was sie macht. Sie blickt auf fragt: "Was soll ich denen sagen: Früher Geschäftsfrau, heute Sozialhilfeempfängerin? Das kann ich nicht." Ihr Schicksal ist kein Einzelfall. Immer mehr Geschäftsinhaber müssen aufgeben. Und es trifft keineswegs nur die Kleinen. Das Kaufhaus X und das Bekleidungshaus Haux sind Beispiele dafür, dass nicht nur Existenzgründer und kleine Einzelhändler vom Markt verschwinden. In Ulm ist die Situation geradezu dramatisch. Aber auch in Biberach stehen derzeit 30 Ladenlokale leer.

Dort, wo bis vor zwei, drei Jahren noch der Laden brummte, hängen jetzt Schilder "zu vermieten" in den leeren Schaufenstern. Nachmieter sind selten ins Sicht. Die wirtschaftliche Lage ist zu ungewiss. IHK-Vizepräsident Frieder Kolesch, erklärt: "Das Problem ist seit Jahren bekannt und es betrifft keinesfalls nur Biberach. Im Gegenteil: Die Situation in Biberach ist sogar noch weit besser als anderswo. Wir haben im Einzelhandel in Deutschland die Situation, dass die Umsätze real stagnieren, bzw. zurückgehen, und dass gleichzeitig die Verkaufsflächen explosionsartig zugenommen haben. Seit 1992 hat die Verkaufsfläche um 40 Prozent zugenommen. Gleichzeitig gibt der Bürger pro Jahr real 250 Euro weniger im Einzelhandel aus als vor zehn Jahren. Im Bekleidungsbereich ist die Lage sogar noch schlimmer." Dort sei der Umsatz um 20 Prozent zurückgegangen, dennoch hätten auch hier wie im Gesamthandel die Verkaufsflächen zugenommen. So sei es nicht verwunderlich, dass nun aus betriebswirtschaftlichen Gründen immer mehr Geschäftsinhaber aufgeben müssen. Kolesch: "Alle Geschäfte, die nicht direkt an der Lauflage liegen, haben es schwer. Und das wird ab 2003 noch schlimmer. Es wird erst dann besser werden, wenn die Leute mehr Geld netto in der Tasche haben und sich dadurch die Stimmung verbessert. Erst dann kommt der Aufschwung." Bis dahin werden wohl noch weitere Geschäfte schließen.

Auch Oberbürgermeister Thomas Fettback kennt das Problem: "Wir haben sämtliche Leerstände erfasst und helfen den Eigentümern aktiv bei der Vermittlung der leerstehenden Ladenlokale, wenn diese es wünschen. Ansonsten kann eine Stadt nur versuchen, möglichst positive Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Altstadtsanierung ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Dabei sind wir bemüht, verschiedene Nutzungen in die Stadt zu bringen. Dies ist uns zum Beispiel mit dem Kauf des Nägele-Hauses in der Hindenburgstraße gelungen. Mir war wichtig, durch die neue Nutzung durch die VHS und Jugendkunstschule wieder mehr Frequenz in die Innenstadt zu bringen. Außerdem arbeiten wir Hochdruck an unserem Dienstleistungszentrum (Ärztehaus) mit Parkhaus am Ring. Auch das Fachmarktzentrum im Aspach wird dieses Jahr noch auf den Weg gebracht, um Kaufkraft an Biberach zu binden. (Anmerkung der Weberberg.de-Redaktion: Aufschlussreiche Arbeiten zu diesem Thema finden sich auf einer österreichischen Website.) Ein weiteres wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang die Erreichbarkeit der Innenstadt. Wir denken hier an mehrere Parkhäuser - nicht nur an das Parkhaus Ost. Wir wollen außerdem mit den Nutzern der Innenstadt Entwicklungsziele erarbeiten, um die Stadt attraktiv zu erhalten. Eine Idee aus dem Stadtmarketing ist es, eine Art Rabatt-System einzuführen, wie es andere Städte bereits haben."