Den Schreckensee bei Altshausen
erreichen wir über Bad Schussenried, Aulendorf und Altshausen.
Von dort geht es südwärts auf der B 32 Richtung Weingarten; schon
nach wenigen Kilometern sieht man den See rechts kurz vor der
Einmündung der Straße nach Vorsee und Fronreute liegen. Am besten
parkt man auf der Nebenstraße nach Fronreute am Waldrand, von
hier aus geht es zu Fuß zum See.
Die Erforschung der jungsteinzeitlichen
Siedlung auf der markanten Halbinsel, die von der Straßenkreuzung
her in den See vorstößt, ist eng mit Biberach verbunden. Denn
es war der Biberacher Zahnarzt und Archäologe Heinrich Forschner,
der die Siedlung 1921 entdeckte und 1923 hier eine seiner größten
Ausgrabungen durchführte. Die Funde aus diesen Forschungsaktivitäten
sind seit 1997 im Biberacher Braith-Mali-Museum ausgestellt, wo
auch ein Teil der Grabung rekonstruiert wurde. Die wissenschaftliche
Bedeutung der Siedlung liegt darin begründet, das hier dreierlei
Siedlungsgeschichten aus verschiedenen Abschnitten der Jungsteinzeit
übereinanderliegen, so dass sich am Schreckensee die zeitliche
Abfolge dreier jungsteinzeitlicher Kulturgruppen klären ließ -
ein archäologischer Glücksfall.
Die mittlere Siedlung, so ergaben
neue Grabungen in den Jahren 1979 bis 1983, lässt sich mit Hilfe
der Jahrringe der aufgefundenen Bauhölzer sogar aufs Jahr genau
datieren, nämlich auf das Jahr 3265 v. Chr., die letzte aus der
Zeit zwischen 2900 und 2600 v. Chr.
Archäologisch geht es weiter,
wenn wir der B 32 nach Weingarten folgen und dort am Südende der
Fußgängerzone in der Karlstraße auf das alte Kornhaus stoßen,
das seit Anfang der 1980er-Jahre das Alamannenmuseum beherbergt.
Hier sind Funde aus dem 1952 bis 1957 ausgegrabenen alamannischen
Gräberfeld von Weingarten ausgestellt, vor allem Waffen und Schmuck,
aber auch Gürtelbeschläge, Kämme, Feuerzeuge, Messer und Gefäße
aus Keramik und Glas. Mit über 800 Gräbern zählt das Weingartener
zu den größten Reihengräberfeldern Süddeutschlands, entsprechend
umfassend sind die hier gebotenen Informationen zur merowingerzeitlichen
Geschichte Oberschwabens, zu den sozialen und wirtschaftlichen
Verhältnissen und zum religiösen leben vom 3. bis zum 8. Jahrhundert.
Seit einiger Zeit sind zwei der Gräber auch in einer Grabungsinszenierung
zu sehen, empfehlenswert ist außerdem das Museumsvideo.
Ein Besuch Weingartens wäre nicht
vollständig ohne einen Abstecher zu Deutschlands größter Barockbasilika
auf dem Martinsberg hoch über der Stadt. Ihre Ausmaße, in ihren
Proportionen am Petersdom in Rom orientiert, sind wahrlich imposant.
Der einmalige Raumeindruck, die kunstvollen Fresken von Cosmas
Damian Asam und der prächtige Stuck haben ihr unter Kennern den
Ruf als schönste Barockkirche Oberschwabens eingetragen. Dazu
gehört auch die von Joseph Gabler gebaute Orgel, ein Meisterwerk
mit nicht weniger als 6666 Pfeifen. Gebaut wurde die Kirche von
1715 bis 1724. Streng genommen ist die Weingartener "Basilika"
gar keine Basilika, weil das Mittelschiff nicht höher ist als
die Seitenschiffe, doch hat ihr Papst Pius XII. wegen ihrer Bedeutung
1956 in Anlehnung an die römischen Titelkirchen die Auszeichnung
als Basilika verliehen. Einmal im Jahr, am so genannten "Blutfreitag"
(dem Tag nach Christi Himmelfahrt) startet hier die Reitprozession
des "Heilig-Blut-Ritts" mit fast 3000 Pferden.
Zum Abschluss bietet sich als
besonderer Wandertipp der wasserbauhistorische Wanderweg an, der
vom Weingartener Freibad (an der Straße Richtung Wolfegg) dem
Stillen Bach, einem der ältesten Kanalsysteme Deutschlands, entlang
zum Rößlerweiher führt.
Text: Andreas Gut