Eine unüberwindliche Festung und am Fuß die Maggi-Flasche

Durch den Hausberg, den Hohentwiel, führt heute ein Tunnel der Autobahn A 81. Und auch sonst hat sich hier in den letzten Jahren einiges verändert. Die Rede ist von Singen, früher vor allem bekannt durch den deutschen Sitz der Schweizer Firma Maggi und bei dieser Tour zusammen mit Engen das Ziel.

Singen ist, im Stadtbild aufgewertet durch die Landesgartenschau des Jahres 200, ein interessanter Ausgangspunkt für Streifzüge in Geschichte und Vergangenheit. Den Anfang macht die mächtige Festung auf dem Hohentwiel, von der aus sich ein wunderschöner Rundblick auf die Landschaft und die übrigen Vulkanberge des Hegaus bietet. Im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 war der Hohentwiel trotz fünfmaliger Belagerung eine unüberwindliche Festung Württembergs, ein Widerstandszentrum der Protestanten im kaisertreuen und katholischen Gebiet. Im 18. Jahrhundert diente die Festung als Strafplatz für wichtige Staatsgefangene, bis sie 1801 von den Franzosen durch Sprengung zerstört wurde.

Doch die Geschichtszeugnisse reichen viel weiter zurück: Beim Bau der schon erwähnten Autobahn wurden 1985 sowohl nördlich als auch westlich des berges zwei gut erhaltene jungsteinzeitliche Siedlungen der so genannten "badkeramischen Kultur" angeschnitten und ausgegraben. Das 1987 neu eingerichtet Archäologische Hegau-Museum im Singener Schloss zeigt denn auch die Vor- und Frühgeschichte des Hegaus mit Funden aus Singen und der weiteren Umgebung von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter. Dazu gehören neben wertvollen Grabbeigaben aus alamannischer Zeit aufsehenerregende altsteinzeitliche Funde aus dem unten besprochenen Petersfels.

Bekannt ist das Museum vor allem durch sein umfangreiches museumspädagogisches Programm wie etwa die "Steinzeitwerkstatt": Seit 1987 ist in singen mit der Archäologie die Museumspädagogik ein besonderer Museumsschwerpunkt. Ausgestellt ist aber auch eine paläontologische Sammlung sowie eine Schmetterlings- und Käfersammlung.

Nur wenige Autominuten nordwärts von singen liegt engen mit seiner reizvollen mittelalterlichen Stadtkulisse. Ganz in der Nähe befindet sich ein archäologisches "Highlight", die Petersfels-Höhle. Ausgangspunkt ist der Parkplatz an der B31, wo diese rund 400 Meter östlich von Engen die Autobahn A81 unterquert. Von dort geht es einen Kilometer zu Fuß über einen Felsweg im Brudertal. Die am Eingang fünf Meter breite und neun Meter tiefe Petersfels-Höhle liegt am Südhang dieses Tals nur vier Meter über der Talsohle in einem der zahlreichen Felsen, die das Tal säumen. Ausgrabungen ergaben reiche Funde der jüngeren Altsteinzeit aus der Höhle und vom Talgrund davor. Bemerkenswert sind Geräte aus Feuerstein und Knochen, Reste der eiszeitlichen Tierwelt, gravierte Knochen mit Darstellungen eiszeitlicher Tiere und Frauenfiguren aus Gagat, einer schnitzbaren Erdpechart. In der Ausstellung "Rentierjäger im Brudertal am Ende der Eiszeit" des Städtischen Museums von Engen stehen die altsteinzeitlichen Funde des Brudertals im Mittelpunkt.

Text: Andreas Gut

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