Der Geniewinkel und ein bisschen mehr!

Diese Tür führt in den so genannten Geniewinkel, in den badischen Teil Oberschwabens, prachtet mit Architektur und Kunst, demonstriert ländliche Traditionen, wunderschöne Natur und zeigt das Lebensumfeld vieler ungewöhnlicher Menschen: der Herren von Zimmern, der Meister von Messkirch, Abraham a Santa Clara, Konradin Kreutzer, Martin Heidegger, Arnold Stadler. Für Kinder spannend sind die Vorführungen im Freilichtmuseum Neuhausen und die wildromantische Burg Wildenstein hoch über dem Donautal.

Messkirch, wenig spektakulär, wenn man die umfahrende B 311 nicht verlässt, entpuppt sich als Ort verschiedenster Themen: die gewaltige Vierflügelanlage des Schlosses des Christoph Froben von Zimmern, die erste dieser Art nördlich der Alpen. Gegenüber in der St.-Martins-Kirche begegnet der Reisende dem großartigen Bronzeepitaph des Gottfried Werner von Zimmern, den seine Chronik unsterblich machte, ein Förderer der Künste und der Künstler, darunter auch der "Meister von Messkirch", dessen letztes dort verbliebenes Tafelbild des einstigen Hochaltars - die Anbetung der Könige - allein die Reise nach Messkirch wert ist. Müsste man doch sonst nach St. Petersburg oder Malibu reisen!

Das 18. Jahrhundert hinterließ die Handschrift guter bekannter: Meister Bagnato und die Brüder Asam. Gegenüber der Seitenpforte liegt das bescheidene Mesnerhaus, in dem 1889 der große deutsche und so umstrittene Existenzphilosoph Martin Heidegger geboren wurde. Verlässt man die Stadt gen Westen, folgt die Fahrstraße Heideggers "Feldweg", sein Hohelied auf die Einfachheit ("...Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.") und trifft dann unversehens linker Hand kurz vor der B 311 die Talmühle: das Geburtshaus Konradin Kreutzers.

Sie sieht so aus, wie man sich "das Nachtlager von Granada" vorstellt. K. Kreutzer hat Generationen deutsche Männerchöre mit seinem Chorwerk beschenkt, am bekanntesten: "Das ist der Tag des Herrn!" Nach wenigen Fahrkilometern wird Neuhausen ob Eck erreicht, eines der vier bedeutenden Freilichtmuseen der nächsten Biberacher Umgebung, neben Kürnbach, Wolfegg und Illerbeuren.

20 originalgetreu versetzte Bauernhäuser, die Mühle, das Sägewerk (regelmäßige Vorführungen!), der Haldenhof aus Schonach, das Bärbelehaus aus Schörnberg, das Kirchlein aus Tischardt usw. Im "Ochsen" aus Schopfloch lässt sich's gut schwäbisch essen und dabei dankbar an Hansjörg Schmid (alias Prof. Dr. H.G. Schmid, Bauhistoriker aus Biberach) denken, dessen Kompetenz ganz entscheidend in Konzeption und Realisation dieses volkskundlichen Denkmals eingegangen ist.

Auf halber Strecke zurück nach Messkirch auf der B 311 geht's links nach Leibertingen. Man fühlt sich nahe dem Himmel bei der Fahrt durch die schmucken Dörfer Altheim, Thalheim bis eben in Leibertingen die deutliche Ausschilderung zur Burg Wildenstein weist.

An derselben Kreuzung zeigt jedoch auch ein Wegweiser gen Kreeheinstetten. Dort, gleich am Ortsanfang, führt linker Hand die Abraham-a-Santa-Clara-Straße zum Gasthof "Traube", das frisch hergerichtet kaum glauben lässt, dass es bereits 1589 gebaut wurde.

Dort kam Hans Ulrich Megerle, der sich später Abraham a Santa Clara nannte, als Sohn des damaligen Traubenwirts 1644 zur Welt. am Kaiserhof brachte er es in Wien zu höchsten Ehren, geißelte als wortgewaltiger Prediger die Verkommenheit der Welt und hinterließ als Volksschriftsteller ein riesiges Werk - auch einer, der dem Geniewinkel seinen Namen gab.

Vor allem mit Kindern im Gepäck sollte man nun endlich die imposante Festungsanlage derer von Zimmern, den Wildenstein, aufsuchen. Dort kann man im Burghof sein Mitgebrachtes essen. Die Gesamtburg ist nur dem Wanderfreund als Jugendherbergsnutzer zugänglich - im Herzen des Naturparks Oberes Donautal eine vorzügliche Wahl. Von dort taucht die Straße in engen Serpentinen hinab nach Beuron ins Donautal. Wer noch etwas gehen möchte, kann vom Parkplatz unterhalb der Kirche donauaufwärts bis zur engen Schlucht am Knopfmacherfelsen wandern. Zurück gen Sigmaringen beglücken die immer wieder schönen Felsdramaturgien und lassen Lust auf einen neuen Erlebnistag in unserer wunderschönen, näheren Heimat aufkommen.

Text: Marianne Sikora

 

Websites, Öffnungszeiten und anderes:

Verkehrsamt Messkirch: 07575/20646.

Der Geniewinkel

Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck: 07467/1391

Kreeheinstetten Abraham a Santa Clara Museum: 07570/316

Fabeln von Abraham a Santa Clara

Wildenstein: geöffnet bei freiem Eintritt bis 17.30 Uhr. Jugendherberge: 07466/411.

Literatur: Günter Schmitt "Burgenführer Schwäbische Alb, Band 3.

Zu Neuhausen: Prof. Dr. G Schmid "Die Formen des bäuerlichen Anwesens von Südwestalb und Bodensee bis zum Hochschwarzwald".

 

 

Ruhen, Rasten, Spachteln:

Gasthaus "Ochsen" 07467/1241 (montags geschlossen)