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Kempten an der Iller: Zu Besuch bei Römern und Fürstäbten Von Andreas Gut Eine ebenso reizvolle wie geschichtsträchtige Stadt ist heute unser Ausflugsziel. Die Römerstadt Kempten/Cambodunum hat sich erst vor kurzem als das zivile Verwaltungszentrum der Provinz Rätien im 1. Jahrhundert n. Chr. entpuppt, noch vor der späteren Provinzhauptstadt Augsburg. Über Jahrhunderte hinweg war Kempten dann eine rivalisierende Doppelstadt: Die freie Reichsstadt und die von einem Fürstabt regierte Stiftsstadt lebten in einem mal mehr, mal weniger ausgeprägten Spannungsverhältnis nebeneinander. Die St.-Lorenz-Basilika, der erste große Kirchenbau in Süddeutschland nach dem Dreißigjährigen Krieg (Baubeginn 1652, Baumeister Beer und Serro), beeindruckt auch heute noch durch die großartige Doppelturmfassade und die mächtige Kuppel. Innen faszinieren die reiche Ausstattung, die Altäre, sowie das geschnitzte Chorgestühl mit seltenen Scagliolaplatten. Die Fürstäbtliche Residenz war ein ehemaligesBenediktinerkloster. Die Prunkräume mit hervorragender Rokoko-Ausstattung sind einmalig im süddeutschen Raum und weitgehend original erhalten. Im nahegelegenen Zumsteinhaus, dem schönsten klassizistischen Bürgerhaus der Stadt (1802), sind die Schätze des Römischen Museums und des Naturkunde-Museums zu bewundern, das künstlerisch gestaltete Gartentor mit perspektivischem Gitter von 1830 führt in den Stadtpark. Römerfreunden hat Kempten noch einen weiteren Leckerbissen zu bieten: Der vor wenigen Jahren eröffnete archäologische Park Cambodunum (APC) liegt auf dem Lindenberg über dem rechten Illerufer gegenüber der Altstadt. Nach über 100 Jahren Ausgrabungen in der Römerstadt Cambodunum wurden seit 1983 einige Bereiche der einstigen antiken Siedlung konserviert und als Archäologischer Park zugänglich gemacht. Dieser besteht aus einem gallorömischen Tempelbezirk, den so genannten "Kleinen Thermen" und dem Forum. Bei dem gallorömischen Tempelbezirk handelt es sich um die Teilrekonstruktion einer Tempelanlage mit 13 Kultanlagen aus Stein, die von einer U-förmigen Doppelhalle umgeben sind. Eine Ausstellung in dieser Halle behandelt mit vielen Schautafeln und Fundstücken die archäologischen Ausgrabungen an diesem Platz, die Überlegungen bei der baulichen Rekonstruktion des Tempelbezirks sowie die römischen Gottheiten und deren Verehrung in der Römerstadt Cambodunum. In den "Kleinen Thermen sind in einem modernen Schutzbau die restaurierten Mauerreste einer Badeanlage zu besichtigen, die zu einem palastartigen Bau des römischen Provinzstatthalters in Cambodunum gehörte. Auf umlaufenden Stegen mit Bild- und Texttafeln, Fundvitrinen und einem sehenswerten Gesamtmodell der Anlage mit Drucktasten für einzelne Hinweislichter wird der Besucher ausführlich über diese Badeanlage sowie über das antike und römische Badewesen informiert. Im dritten Teil des Archäo-Parks, dem Forum, sind die Grundmauern und Modelle von Teilen des römischen Marktplatzes wie der Forums-Basilika im Parkgelände frei zugänglich. Info: Archäologischer Park Cambodunum, Tel. 0831/79731 und 574250, geöffnet Mai bis Oktober: DI-SO 10-17 Uhr; November bis Dezember und März bis April: DI-SO 10-16 Uhr; Januar und Februar geschlossen. Sonder- und Abendführungen, z.B. "Brot-Zeit", nach Vereinbarung. - Literatur: APC - Archäologischer Park Cambodunum. 1. Abschnitt. Der Gallorömische Tempelbezirk (3. Auflage1993); Cambodunum geht baden. Ein Begleitheft zum 2. Abschnitt des Archäologischen Parks Cambodunum - APC, den Kleinen Thermen (1996). – Nähere Infos auch im Internet unter www.kempten.de.
Bilder unter http://www.kempten.de/images/db/6/86.jpg
http://www.kempten.de/images/db/1/70.jpg Blick in den gallorömischen Tempelbezirk, im Vordergrund ein römischer Altarstein. Foto: Museum http://www.kempten.de/virtuell/st-lorenz.jpg Die St.-Lorenz-Basilika prägt das Stadtbild von Kempten. Foto: Stadt Kempten http://www.kempten.de/virtuell/prunkraeume.jpg Rokoko pur in den Prunkräumen der fürstäbtlichen Residenz. Foto: Stadt Kempten http://www.kempten.de/virtuell/rathaus.jpg oder http://www.kempten.de/html/rathaus2.jpg Das historische Rathaus befindet sich in der ehemaligen Kornschranne von 1368. Foto: Stadt Kempten
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