Unheimliche Gegend mit Moorleichen?

Die Grabener Höhe, der Aussichtspunkt, den man über Unteressendorf, Eggmannsried und Graben erreicht, eröffnet einen imposanten Ausblick über das Wurzacher Becken. Von hier kann man das 16 Quadratkilometer große Ried, das vor einige Jahren ein Europa-Diplom erhielt, überblicken und dabei die wilde Moorlandschaft und die Spuren des Torfabbaus bestaunen. Der Torfabbau diente überwiegend der Gewinnung von Torf als Brennmaterial. Erst seit 1936 werden in Bad Wurzach Moorbäder verabreicht. Natürlich stellt sich die Frage, ob es im Wurzacher Ried auch Moorleichen gibt. Moorleichen im archäologischen Sinn wurden bisher nicht gefunden, doch fand man Opfer von Gewaltverbrechen und sterbliche Reste von Menschen, die sich im Moor verirrten. Auch kriegerische Handlungen wie der Bauernkrieg vor 450 Jahren forderten zahlreiche Opfer in der nassen Wildnis.

Von der Grabener Höhe aus bietet sich ein Besuch der Haidgauer Quellen an. Die zahlreichen Quellseen erstrahlen je nach Sonnenstand in grünlicher bis türkiser Färbung. An den Quellseen vorbei können, auf ausgewiesenen Wegen, Erkundungstouren durch das Moor unternommen werden. Wer nicht alleine auf Erkundungstour gehen möchte, kann sich einer der Führungen des Wurzacher Naturschutzzentrums anschließen, denn das Ried präsentiert zu jeder Jahreszeit wunderschöne Plätze mit interessanten Tieren und Pflanzen. Nähert man sich von Haidgau aus der Stadt Bad Wurzach, bemerkt man auf dem Ziegelberg kurz vor dem Ortseingang eine ehrwürdige Kirche mit Anbau - das ehemalige Leprosenhaus.

Die um 1355 gegründete Heimstätte für Leprakranke besteht aus einem Wohnhaus, einer Kapelle und einem schönen Kräutergarten. Im ehemaligen Wohnhaus waren ab 1830 Torfstecherfamilien untergebracht. Aus einer der Familien stammte auch der Künstler und Maler Sepp Mähler, der 1901 im ehemaligen Leprosenhaus geboren wurde und dessen atmosphärische Bilder in einer Ausstellung in seiner Geburtsstätte zu bewundern sind. Bei einem Besuch der Leprosenkapelle erfährt man, dass das Leprosenhaus vor etwa 200 Jahren während der napoleonischen Kriege als Lazarett der österreichischen Armee genutzt wurde. Auch andere kriegerische Ereignisse hat das Leprosenhaus gesehen. Währen der Bauernkriege 1525 erreichte Truchsess Georg III, der Bauernkönig, auf dem Ziegelberg ein Feldlager und zerschlug von dort den Unterallgäuer Bauernhaufen.

Neben dem ca. 10 000 Jahre alten Wurzacher Ried erscheint das Städtchen Wurzach mit einem Alter von 840 Jahren sehr jung. Wurzach gehörte über Jahrhunderte den Welfen und später den Waldburgern, bevor die Stadt 1805 zu Württemberg kam. Wichtig war der Ort neben seinen bekannten Flusskrebsen auch als Station an der mittelalterlichen Salzstraße, die von den Salzlagerstätten Österreichs bzw. Bayerns nach Weingarten und in die Bodenseeregion führte. Besonders reizvoll ist ein Besuch der barocken Wallfahrtskirche auf dem Gottesberg oder des Schlosses Wurzach, das ehemals den Waldburgern gehörte. An der Decke des Treppenhauses innerhalb des spätbarocken Gebäudes kann man den antiken Herkules bei seiner Fahrt auf dem Olymp bestaunen.

Von Bad Wurzach bietet sich ein Abstecher zum Rohrsee an, den man über Ziegelbach und Rohrbach erreicht. Im Frühjahr und Herbst ist der Rohrsee wegen seiner Vielfalt an Zugvögeln bei Vogelkundlern sehr beliebt. Für Familien darf ein Halt beim "Streichelzoo" auf dem Alpakahof südlich von Bad Wurzach nicht fehlen. Bei der Rückfahrt nach Biberach empfehlen sich Besichtigungen der barocken Dorfkirchen in Haidgau und Haisterkirch, die nicht umsonst als kleine Juwele barocker Baukunst gelten.

 

Text: Dr. Uwe Altenschidt 2000

Naturschutzzentrum Wurzach
Naturschutzzentrum Bad Wurzach, Rosengarten 1, 88410 Bad Wurzach, Tel. 07564/93120, Telefax 07564/93122 e-mail: naturschutzzentrum@bad-wurzach.de Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag 10.00-12.00 Uhr, Montag bis Donnerstag 14.00-17.00 Uhr, Sonn- und Feiertag 14.00-17.00 Uhr

Bad Wurzach (Stadt, Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele)

 


Weitere Ausflugstipps: Ravensburg  Aulendorf   Weingarten