Birnau

Diese Tour ist eine Huldigung an das "Himmelreich des Barock", an Oberschwaben und seinen Bodensee, obgleich die Grenze ins Badische etwas überschritten wird. Ihr Ziel: Die Marienkirche Birnau inmitten üppig tragender Weinberge..

Man sollte sich in Bälde einen herrlichen Herbsttag wählen. In Bälde: Weil die dunkelblauen Trauben an den Hängen um die Marienkirche ihrer Reife zuwachsen.

Über Saulgau, Ostrach, Heiligenberg, Richtung Überlingen ist die Birnau schnell erreicht. In einmaliger Lage hat sich das Kloster Salem für ein seit dem Mittelalter verehrtes Gnadenbild der Muttergottes auf dem Klosterterrain zwischen 1745 bis 1750 vom Vorarlberger Meister Peter Thumb eine glanzvolle Heimstatt schaffen lassen. Damals lag vor dem fast schlossähnlich anmutenden Bau noch ein barocker Terrassengarten. Das lichtdurchströmte Innere ist Rokoko pur aus der Hand von J. A. Feichtmayr und lohnt, sorgfältig und mit Liebe zu den zauberhaften Details betrachtet zu werden. Nicht nur wegen seiner zahllosen Puttis, von denen der Honigschlecker den höchsten Bekanntheitsgrad genießt.

Nach dem Kirchgang und dem überwältigenden Blick auf den weiten See (man denkt an das einige Kilometer östlich gelegene Meersburg, seinen Turm und Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht "Am Turme"...) nehmen wir die steile Treppe neben dem Kiosk durch die Rebhänge hinab zum Schloss Maurach. Etwa 500 Meter östlich entlang dem See liegt der Pilgerhof (Hotel und Restaurant), wo nach einem Spaziergang, zum Beispiel auf dem bequemen Geh- und Fahrradweg Richtung Nussdorf, immer entlang den Weinbergen, gut eingekehrt werden kann.

Oberschwaben wird nicht umsonst "Land der tausend Seen" genannt. Südöstlich von Altshausen liegt die Blitzenreuther Seenplatte. Die aus sieben Seen und Weihern bestehende Seenplatte entstand vor etwa 12 000 Jahren am Ende der Würmeiszeit. Der Wanderparkplatz am Häcklerweiher ist ein guter Ausgangspunkt für einen Rundgang zu den Seen. Im Verlauf des Rundwegs lassen sich alle Stadien von offenen See bis zum Hochmoor hin beobachten. Vorbei geht es am Buch- und Schreckensee zum Weiler Vorsee. Der Rückweg erfolgt nördlich des Vorsees zurück zum Häcklerweiher, wo sich im Sommer ein erfrischendes Bad anbietet.

Die Region der Seenplatte bietet nicht nur naturkundliche Raritäten. Am Schreckensee entdeckte der Biberacher Zahnarzt und Heimatforscher Heinrich Forschner eine prähistorische Siedlung aus der Jungsteinzeit. Im 15. Jahrhundert waren die Seen und Weiher im Besitz des Klosters Weingarten. Genutzt wurden die Weiher zur Fischzucht, zur Vogeljagd und zum Sammeln von Blutegeln, die in der damaligen Medizin zum weit verbreiteten und beliebten Schröpfen genutzt wurden.

Textvorlage: Marianne Sikora

IHerbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winden los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süsse in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

( Reiner Maria Rilke, Das Buch der Bilder)

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