Am schweizerischen Bodenseeufer,
genauer gesagt über den Ufern des Untersees, erhebt sich das Schlösschen
Arenenberg, in dem man sich nach Frankreich versetzt fühlt. Schlösschen
Arenenberg erreicht man am besten über die Fähre Meersburg-Konstanz,
dann auf der B 13 entlang des Sees. 90 Jahre war das im 16. Jahrhundert
erbaute Herrenhaus im Besitz der Familie Bonaparte, genauer: von
zwei den Napoleoniden angetrauten Frauen, beide voller Zauber
und Charme, beide für ein dramatisches Leben vorgesehen.
1817 erwarb Hortense Beauharnais,
Tochter der Josephine, also Stieftochter Napoleons, als Asylsuchende
dieses Herrenhaus als Wohnsitz. Die elegante und dennoch intime
Innenausstattung hat sie den Behausungen glücklicher Tage angepasst:
Schloss Malmaison und St. Cloud. Der Besucher findet dort authentisches
Mobiliar, selbst der von Napoleon benutzte Schreibtisch wurde
von der Insel St. Helena hierher gebracht.
Die zweite für dieses Haus prägende
Frau war Kaiserin Eugénie, die strahlend schöne und so unglückliche
Frau von Hortenses Sohn, Kaiser Napoleon III. Abgesehen von der
zauberhaften Lage über dem Untersee und der Reichenau mit Blick
bis in den Hegau, vermittelt dieses von außen eher bescheiden
wirkende Domizil den Charme und die Eleganz feinster französischer
Wohnkultur. Man fühlt sich nach Frankreich versetzt, mitten in
der bäuerlich-handfesten Umgebung des Kantons Thurgau, dem Kaiserin
Eugénie ihren Besitz testamentarisch übereignet hat. Der Besucher
findet dort viel Literatur zum Kauf. Man sollte eine Führung in
Anspruch nehmen.
Bei der Weiterfahrt Richtung Stein
am Rhein, sollte man unbedingt einen Halt im malerischen Steckborn
einlegen. Im imposanten Turmhof am See ist das Heimatmuseum. Neben
vielen anderen historischen Relikten dieser traditionsreichen
Gegend erinnert es an die Steckborner Öfen und deren Hafnerware.
Im nahen Stein am Rhein lenken rund um den Marktplatz reich bemalte
Bürgerhäuser den Blick auf sich, außerdem das von Burkhard und
Hadwig vom Hohentwiel nach Stein verlegte Kloster St. Georgen
und linksrheinisch ein römisches Kastell aus der Zeit Diokletians.
Einen schönen Blick auf Stein
am Rhein hat man von der nahen Zähringerburg Hohenklingen. In
der Burgschänke lockt das köstliche Angebot der Speisekarte. Der
unermüdliche Kunstfreund wähle den Heimweg nach Biberach über
Radolfzell durch den kleinen Ort Schienen mit seiner romanischen
Pfeilerbasilika.
Weiter auf der B311 in Richtung
Riedlingen bis zur Abzweigung nach Zwiefaltendorf. Man fährt über
die Donau, vorbei an einem kleinen Schlösschen und der einzigen
Gaststätte Deutschlands, in der man nach dem Vesper in demselben
Gebäude eine Höhlenbesichtigung machen kann. Auf dem Kirchturm
ist ein Storchennest, in dem jedes Jahr Störche brüten. Im Tal
der Zwiefaltener Ach führt die Straße nach Zwiefalten. Imposant
ist schon die Fassade der Klosterkirche. Die Benediktinermönche
haben in den Jahren von 1745 bis bis 1765, dem Weihejahr für ihren
Kirchenbau die größten Architekten, Baumeister, Stukkateure, Maler
und Bildschnitzer geholt. Es sind die Namen Joh. Mich. Fischer,
Joh. Mich. Feichtmayer, Franz Jos. Spiegler und Vater und Sohn
Christian. Das kunstvolle Gitter von 1760 ist nicht immer geöffnet,
aber auch hier lohnt sich schon der Blick von hier aus in die
Kirche, die 1974 bis 1984 hervorragend restauriert wurde. Im Sommer
finden Konzerte statt, die in der Presse angekündigt werden. Über
Riedlingen, auch hier würde sich ein kleiner Rundgang lohnen,
geht die Fahrt über die B312 wieder zurück nach Biberach.
Text: Marianne
Sikora
Info: Schloss Arenenberg geöffnet
Dienstag bis Sonntag, 10-17 Uhr, Telefon 0041//17 66 05 60, Eintritt:
6 Mark. - Info Stein am Rhein 0041/52 74 12 835. - Restaurant
Hohenklingen: 0041/52 76 12 903. Geöffnet am Mittwoch, Donnerstag,
Samstag und Sonntag von 15-17 Uhr.